Desiree Lex
Interview mit Interview mit Desiree Lex von NullAlkohol
NullAlkohol bringt alkoholfreie Getränke verschiedener Produzent:innen und Marken zusammen und macht sie über einen Online-Shop zugänglich. Außerdem entstehen eigene alkoholfreie Getränke, die den alkoholfreien Lebensstil des Unternehmens widerspiegeln. Der Slogan dabei: „alkoholfrei ist sexy“.
Idee und Motivation
Was hat dich inspiriert, Null Alkohol zu gründen?
Desiree Lex: Meine Eltern leben in Schweden, wir machen dort immer unseren Familienurlaub, so auch während meiner Schwangerschaft und Stillzeit. Mir ist früh aufgefallen, dass die skandinavischen Länder viel weiter sind, was das Thema alkoholfreie Alternativen angeht. Dort wurden die ersten Winzer aus Deutschland, die ihre alkoholfreien Weine exportierten, vom schwedischen Staat mit Abnahmekontingenten gefördert. In jedem Restaurant bekommst du dort selbstverständlich eine alkoholfreie Alternative angeboten. Als Schwangere war ich damals auf der Suche nach alkoholfreiem Wein und war überrascht von der Verfügbarkeit an alkoholfreien Alternativen in Schweden. Ich dachte, das geht doch auch für Deutschland.
Wie kam es zu der Gründung?
Desiree Lex: Ich habe während der Elternzeit gegründet; eine gute Möglichkeit nebenberuflich Erfahrungen zu sammeln. Mich hat nicht nur das reine Produkt „alkoholfreie Alternative“ interessiert, sondern auch der Lifestyle dahinter. Das Thema alkoholfrei ist und bleibt gesellschaftlich relevant und ich freue mich, dass wir mit Null Alkohol dazu beitragen, den Alkoholkonsum zu reduzieren und mehr Sichtbarkeit in der breiten Masse zu schaffen.
Wie hast du die Entscheidung getroffen, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Desiree Lex: Ich habe zuerst eine gründliche Marktanalyse durchgeführt und geschaut, wie tragfähig so ein Geschäftsmodell wäre. Dann spricht man natürlich viel mit Freunden und Familie. Alle waren sofort begeistert von der Idee und dann habe ich entschieden, dass ich es wage. Da ich während der Elternzeit gegründet habe, war es eine gute Möglichkeit, um das Konzept einmal „anzutesten“. Mein Mann hat vor allem in der Anfangszeit fleißig Kisten geschleppt oder hat mich bei Events unterstützt. Meine Freundinnen probieren sich regelmäßig durch unser Sortiment, ganz viele haben sich dann als „heimlich alkoholfrei“ geoutet und mir von ihren bisherigen Erfahrungen berichtet. Das hilft, um auch die Kunden und Kundinnen und den Markt besser zu verstehen.
Warum hast du dich für den Standort NRW entschieden?
Desiree Lex: Wir leben in Düsseldorf und es war sofort klar, dass ich hier gründe. Düsseldorf ist auch aus logistischer Sicht eine gute Ausgangsposition.
Was waren deine ersten Schritte? Was hast du gemacht, nachdem du die Entscheidung zur Gründung getroffen hast?
Desiree Lex: Gewerbeschein anmelden und los geht’s: Ich habe mir die ersten Partner und Partnerinnnen gesucht: Winzer und Winzerinnen, Manufakturen und Brennereien, die alkoholfreie Alternativen herstellen. Videos für Instagram produziert, Beiträge für unseren Corporate Blog verfasst und viel PR-Arbeit, um die Brand Null Alkohol bekannter zu machen.
Wie sah deine erste Produktion aus – also mit wem und wo habt ihr produziert?
Desiree Lex: Wir haben unsere alkoholfreien G&T´s, ein alkoholfreier Fertig-Cocktail als Gin-Tonic-Alternative, regional in NRW produziert, aber die Rezeptur gemeinsam mit einer schwedischen Brennerei entwickelt. Das war für uns die perfekte Mischung: So konnten wir gewährleisten, dass wir regional produzieren und die Zutatenliste schlank sowie frei von Zusatzstoffen halten.
Gründung und Aufbau
Gab es schwierige Momente bisher, und wie hast du diese gemeistert?
Desiree Lex: Absolut, in den schwierigen Momenten ist Durchhaltevermögen angesagt. Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war das plötzliche Verschwinden einer kompletten Palette unserer G&T´s im Logistikzentrum eines führenden Online-Versandhändlers. Bei der Verteilung zwischen den Logistik-Zentren ist diesem Händler ein Fehler unterlaufen. Als Bootstrapping-Gründerin ist so ein Verlust existenziell. Ich musste mich wochenlang durch einen extrem zähen Support kämpfen, um den Fall zu klären. Das hat mich gelehrt, dass man als Unternehmerin eine enorme Hartnäckigkeit braucht, um sich auch gegen scheinbar übermächtige Unternehmen durchzusetzen. Am Ende habe ich die Ware zurückbekommen und eine ordentliche Portion Resilienz dazugewonnen.
Welche Unterstützung hast du in dem Gründungsprozess erhalten?
Desiree Lex: Ich habe mich früh mit dem STARTERCENTER NRW bei der IHK Düsseldorf und dem Startup-Verband bzw. der Wirtschaftsförderung in Düsseldorf vernetzt und hier hilfreiche Unterstützung erhalten. Die Newsletter der IHK und auch LinkedIn und andere Plattformen sind zum Beispiel sehr hilfreich, um von möglichen Fördermaßnahmen zu erfahren.
Wie hast du die Finanzierung organisiert, und welche Unterstützung (z. B. auch durch Förderprogramme) hast du erhalten?
Desiree Lex: Ich bin komplett bootstrapped und habe mein Erspartes für die Gründung verwendet. Für Bootstrapping habe ich mich bewusst entschieden und das Unternehmen komplett aus eigenen Ersparnissen finanziert. Mir war es wichtig, von Tag eins an die volle Kontrolle über die Vision von NullAlkohol zu behalten und organisch zu wachsen. Diese finanzielle Unabhängigkeit erlaubt es mir, Entscheidungen rein im Sinne unserer Kundschaft und der Qualität unseres Sortiments zu treffen, ohne den Druck externer Investoren und Investorinnen.
Erfolge und Zukunft
Auf welchen Erfolg bist du besonders stolz und auf welchem Rezept beruht dein Erfolg?
Desiree Lex: Auf meine Eigenmarken, die beim Wettbewerb Falstaff Alkoholfrei Trophy 2025 93 Punkte erhalten haben, bin ich besonders stolz. Eine wichtige Grundlage dafür: Ich bin sehr fleißig und scheue mich nicht selbst anzupacken, zudem habe ich sehr viel Erfahrung im E-Commerce, was natürlich auch sehr hilfreich ist.
Tipps für Gründende
Was war die wichtigste Lektion, die du als Gründerin gelernt hast?
Desiree Lex: Nicht aufgeben und einfach weitermachen. Glaub an deine Vision und Fähigkeiten. Lass dich nicht beirren: gerade auf Social Media - im beruflichen Bereich insbesondere LinkedIn - übertreiben immer alle ihren Erfolg. Lass dich davon nicht einschüchtern. Meistens ist es nur die halbe Wahrheit, was da so steht.
Welche Tipps hast du für andere, die ein Start-up gründen möchten?
Desiree Lex: Natürlich ist es wichtig erst einmal zu prüfen, ob das Geschäftsmodell tragfähig ist, eine Konkurrenzanalyse durchzuführen und den Bedarf zu recherchieren. Danach hilft es auch sehr, örtliche Unterstützung zu suchen und sich mit anderen zu vernetzen. Es gibt viele Mentoren-Programme, die für die Anfangszeit sicherlich hilfreich sind. Ein guter Businessplan mit durchdachten Finanzierungsquellen ist unabdingbar. Ich würde dennoch raten, einfach zu machen. Man kann auch im Nebenerwerb erst einmal klein anfangen und so Erfahrung sammeln.
Was müsste jemand haben, der als Gründer/in erfolgreich sein möchte?
Desiree Lex: Durchhaltevermögen. Ein Start-up zu gründen ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der auch mit Rückschlägen verbunden sein kann. Gerade dann ist es wichtig, weiter an sich zu glauben und durchzuhalten.
Weitere Informationen:
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